FlexiSpot Waffle im Test: Was in einem elektrischen Relaxsessel steckt

Möbel mit Motor sind ein eigenartiges Grenzgebiet. Ein Sessel ist eigentlich ein rein mechanisches Produkt – Rahmen, Federung, Polster, Stoff. Sobald aber Elektroantriebe, Netzteile und Bedienlogik dazukommen, wird daraus ein Gerät. Und Geräte kann man technisch bewerten.

Wir haben den FlexiSpot Waffle – einen elektrischen Relaxsessel mit stufenloser Verstellung, Wipp- und Drehfunktion – gut drei Wochen lang im täglichen Einsatz gehabt und uns dabei weniger für die Wohnzimmer-Ästhetik interessiert als für das, was darunter steckt: Wie ist die Mechanik gelöst? Wie gut ist die Bedienlogik? Und wo hat der Hersteller konstruktiv gespart?

FlexiSpot Waffle Relaxsessel in der Farbe Matcha, Frontansicht in aufrechter Sitzposition mit ausgefahrener Fußstütze
Der Waffle in der Farbe Matcha: gedecktes Salbeigrün mit melierter Chenille-Struktur, dazu die namensgebende Waffelsteppung an der Rückenlehne.

Der Hersteller: vom Schreibtischgestell zum Sitzmöbel

FlexiSpot ist im deutschen Markt vor allem durch höhenverstellbare Schreibtische und ergonomische Bürostühle bekannt geworden. Das ist insofern relevant, als der Hersteller aus einem Bereich kommt, in dem Linearantriebe, Hubmotoren und Steuerelektronik zum Kerngeschäft gehören. Ein elektrischer Relaxsessel ist technisch betrachtet kein völlig anderes Produkt als ein höhenverstellbarer Schreibtisch – es geht in beiden Fällen um einen motorisierten Verstellmechanismus, der eine Last kontrolliert und leise bewegt.

Die Frage ist also weniger, ob der Hersteller das technisch kann, sondern wie gut er die Erfahrung aus dem Bürobereich auf ein Wohnmöbel überträgt.

Montage: bewusst werkzeuglos konstruiert

Der Sessel wird in zwei Kartons geliefert – eine sinnvolle Aufteilung, weil sich zwei mittelgroße Pakete durch ein Treppenhaus manövrieren lassen, ein einzelnes Riesenpaket dagegen kaum.

Bemerkenswert ist, dass für die Montage kein Werkzeug benötigt wird. Der gesamte Aufbau basiert auf Steckverbindungen und Reißverschlüssen. Rückenlehne aufsetzen, Seitenteile befestigen, die elektrische Verbindung stecken – das war es. Rund 20 Minuten haben wir gebraucht.

Konstruktiv ist das eine bewusste Entscheidung: Werkzeuglose Montage senkt die Retourenquote, weil sie die häufigste Fehlerquelle beim Möbelaufbau eliminiert. Der Preis dafür wird an anderer Stelle bezahlt – dazu weiter unten.

Ein praktischer Hinweis: Trotz der einfachen Konstruktion ist die Montage zu zweit deutlich sinnvoller. Die Bauteile sind sperrig und haben spürbar Gewicht. Das ist keine Kritik an der Konstruktion, sondern schlicht Physik.

Antrieb und Verstellmechanik

Die Verstellung erfolgt stufenlos, nicht in Raststufen. Technisch bedeutet das: ein Linearantrieb, der so lange fährt, wie ein Taster gedrückt wird, und beim Loslassen in der erreichten Position selbsthemmend stehen bleibt. Das ist die gleiche Grundmechanik, die in höhenverstellbaren Schreibtischen steckt, und sie funktioniert hier genauso zuverlässig.

FlexiSpot Waffle in vollständiger Liegeposition, Seitenansicht mit zurückgefahrener Rückenlehne und ausgefahrener Fußstütze
Vollständig zurückgefahren: Die stufenlose Verstellung erlaubt jede Zwischenposition – nicht nur drei vordefinierte Raststufen.

Der praktische Vorteil gegenüber gerasterten Systemen ist erheblich. Rastmechaniken zwingen den Nutzer in die vom Hersteller definierten Positionen, und es ist erstaunlich häufig so, dass die passende Position genau zwischen zwei Rasten liegt. Stufenlos entfällt dieses Problem vollständig.

Geräuschentwicklung: Die Motoren sind hörbar, aber leise. Sie liegen deutlich unter dem Pegel einer normalen Fernsehlautstärke. Ein Brummen oder Rattern, wie man es von günstigen Verstellmechaniken kennt, tritt nicht auf.

Ausgefahrene Fußstütze des FlexiSpot Waffle mit sichtbarer schwarzer Scherenmechanik aus Stahl darunter
Unter der ausgefahrenen Fußstütze liegt die Scherenmechanik offen – bauartbedingt üblich, aber eine Klemmstelle, die man mit Kindern oder Haustieren im Blick behalten sollte.

Unterhalb der ausgefahrenen Fußstütze liegt die Scherenmechanik offen sichtbar – schwarz lackiertes Stahlgestänge. Das ist bei dieser Bauart üblich und mechanisch unbedenklich, sollte aber im Hinterkopf behalten, wer kleine Kinder oder neugierige Haustiere im Haushalt hat: Bewegliche Scherenmechaniken sind grundsätzlich Klemmstellen.

Ergänzt wird der elektrische Antrieb um zwei rein mechanische Funktionen: eine Drehmechanik im Sockel und eine Wippfunktion. Beide benötigen keinen Strom und sind damit auch bei Stromausfall verfügbar – was nebenbei bedeutet, dass der Sessel nie komplett funktionslos wird.

Bedienkonzept: zwei Tasten, kein Display

Zweitastiges Bedienpanel des FlexiSpot Waffle, bündig in die Außenseite der Armlehne eingelassen
Das komplette Bedienkonzept: zwei Tasten, bündig in die Armlehne eingelassen. Keine Fernbedienung, kein Display, keine App.

Die Steuerung sitzt als kleines Panel außen in der rechten Armlehne eingelassen: zwei Tasten, dezent in einem hellen Beige-Ton gehalten, bündig in den Stoff integriert. Keine Kabelfernbedienung, kein Display, keine App.

Aus technischer Sicht ist das die richtige Entscheidung. Eine Kabelfernbedienung ist ein zusätzliches Bauteil, das verloren gehen, im Sessel verschwinden oder kaputtgehen kann. Ein Display an einem Möbelstück mit genau einer elektrisch verstellbaren Achse wäre reine Feature-Kosmetik. Und eine App-Anbindung wäre bei einem Gerät ohne echten Mehrwert durch Vernetzung schlicht überflüssige Komplexität – inklusive der damit verbundenen Fragen nach Update-Support und Datenschutz.

Der Nachteil der Integration in die Armlehne: Man muss das Panel ertasten oder hinsehen. Wer den Sessel im Dunkeln verstellen will, sucht kurz. Nach ein paar Tagen Gewöhnung ist das aber kein Thema mehr.

Stromversorgung: die eigentliche Einschränkung

Der Sessel braucht eine dauerhafte Netzverbindung. Es gibt keinen Akkubetrieb, und damit ist die Aufstellung nicht frei wählbar – ein Sessel mitten im Raum, weit weg von jeder Steckdose, geht nur mit sichtbarem Kabel.

Das ist konstruktionsbedingt und trifft praktisch alle elektrischen Relaxsessel in diesem Segment. Trotzdem sollte man es bei der Planung des Stellplatzes von Anfang an einkalkulieren, statt es nach der Lieferung zu bemerken. In der Praxis lässt sich das in den meisten Wohnzimmern sauber lösen, weil Sessel ohnehin selten frei im Raum stehen – aber es ist eine echte Einschränkung, keine Kleinigkeit.

Ein Akku würde das Problem theoretisch lösen, brächte aber Ladezyklen, Alterung und Entsorgungsfragen bei einem Möbelstück mit, das zehn Jahre und länger halten soll. Der Verzicht darauf ist nachvollziehbar.

Wo gespart wurde: die Reißverschlusslösung

Hier kommt die Rechnung für die werkzeuglose Montage. Die Polsterauflagen der Armlehnen sind mit Reißverschlüssen befestigt statt mit Klett-, Rast- oder Steckverbindungen.

Im Alltag ist das die schwächste Stelle des gesamten Produkts. Die Reißverschlüsse gehen schwer zu – der Stoff muss beim Schließen nachgeführt werden, sonst verkantet der Schieber. Und sie öffnen sich im laufenden Betrieb gelegentlich wieder. Sicherheitsrelevant ist das nicht, die Stabilität des Sessels hängt nicht daran, aber es ist eine wiederkehrende Kleinigkeit, die man alle paar Tage nachjustiert.

Konstruktiv wäre hier mehr drin gewesen: Klettverschlüsse mit größerer Fläche oder einfache Rastnasen hätten dieselbe werkzeuglose Montage ermöglicht, wären aber im Betrieb deutlich robuster. Das ist der eine Punkt, an dem man merkt, dass hier auf Fertigungskosten optimiert wurde.

Material und Verarbeitung

Detailaufnahme des melierten Chenille-Bezugs und der gesteppten Waffelstruktur an der Rückenlehne des FlexiSpot Waffle
Chenille im Detail: Der Flor changiert je nach Lichteinfall, was Gebrauchsspuren optisch abfängt.

Der Bezug besteht aus Chenille – ein Flor-Gewebe, das bei Polstermöbeln zunehmend Kunstleder verdrängt, weil es angenehmer auf der Haut liegt und im Sommer nicht klebt. In der von uns getesteten Farbe Matcha ist der Stoff meliert, was Gebrauchsspuren und Lichteinfall optisch abfängt.

Die Polsterung ist nachgiebig, aber stützend. Nach drei Wochen täglicher Nutzung sind keine Setzspuren erkennbar – für eine belastbare Aussage zur Langzeithaltbarkeit ist der Zeitraum allerdings zu kurz. Wir werden das nachverfolgen.

FlexiSpot Waffle Relaxsessel im Wohnzimmer neben einem Sofa, in ausgefahrener Liegeposition auf Holzdielen
Platzbedarf in Liegeposition: Nach vorne und hinten muss Freiraum eingeplant werden – vor dem Kauf messen lohnt sich.

Zur Körpergröße: Bei 1,85 m passt der Sessel gut. Darüber hinaus ragen die Füße in ausgefahrener Position über die Fußstütze hinaus. Die Beine liegen weiterhin vollständig auf, es hängen lediglich die Füße frei – funktional unkritisch, aber wer 1,95 m misst, sollte es wissen.

Fazit

Technisch ist der Waffle solide gemacht. Der stufenlose Antrieb arbeitet leise und präzise, das Bedienkonzept ist bewusst reduziert und dadurch besser als jede App-Lösung es hier wäre, und die werkzeuglose Montage ist gut durchdacht. Materialien, Design und vor allem das Sitzgefühl haben uns überzeugt – der Sessel steht seit drei Wochen im Wohnzimmer und wird täglich genutzt.

Zwei Punkte trüben das Bild: die Reißverschlussbefestigung der Armlehnen-Polster, bei der eine bessere Lösung technisch trivial gewesen wäre, und die durch den Netzbetrieb eingeschränkte Aufstellungsfreiheit – letzteres allerdings systembedingt und kein spezifischer Kritikpunkt an diesem Modell.

Wer einen elektrischen Relaxsessel sucht und Wert darauf legt, dass die Technik unauffällig funktioniert statt Aufmerksamkeit zu fordern, ist hier richtig. Alle Details zum Modell gibt es auf der Produktseite des Herstellers.


Transparenzhinweis: Der getestete Sessel wurde uns von FlexiSpot kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Inhalt dieses Beitrags. Der Artikel enthält Links zum Hersteller (Werbung).

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