Volvo stellt im Rahmen des Safety Moments Events den „Ultimativen Fahrsimulator“ vor

Volvo Fahrsimulator
Volvo Fahrsimulator

Im Rahmen des „Safety Moment Event“ am 18. November 2020 ermöglichte der schwedische Automobilhersteller Volvo einen ganz besonderen Einblick in seine Entwicklungsabteilung und präsentierte in diesem Zusammenhang einen Fahrsimulator der Superlative. Wir haben uns die Live-Übertragung des Events angesehen.

Der ultimative Fahrsimulator

Die Ingenieure von Volvo Cars nennen ihn „den ultimativen Fahrsimulator“. Bekommt man ihn zu Gesicht, könnte man meinen, die Ingenieure und Experten brauchen eine Ausrede, um im stillen Keller ihrer Gaming-Leidenschaft zu frönen. Stattdessen wird der bahnbrechende Mixed-Reality-Simulator des schwedischen Unternehmens genutzt, um neue Fortschritte bei der Sicherheit und der autonomen Fahrtechnologie zu erreichen.

Das Setup besteht aus einem beweglichen Fahrersitz, einem Lenkrad mit haptischem Feedback und einem Virtual-Reality-Headset mit kristallklarer Optik, welches jeden ernsthaften Gamer vor Neid erblassen lassen würde. Der Simulator von Volvo Cars hebt dieses Konzept auf die nächste Stufe und macht es schwer, Realität und Simulation zu unterscheiden. Und genau das ist der Punkt. Der Simulator nutzt modernste Technologie der führenden Echtzeit-3D-Entwicklungsplattform Unity und des finnischen Virtual- und Mixed-Reality-Experten Varjo und ermöglicht das Fahren eines echten Autos auf echten Straßen. Er ermöglicht eine Kombination aus lebensechten, hochauflösenden 3D-Grafiken, einem Augmented-Reality-Headset und dem Ganzkörper-Teslasuit, der für haptisches Feedback in der virtuellen Welt sorgt. Dieser Anzug überwacht auch gleichzeitig die Körperreaktionen des Fahrers.

Durch die Kombination aus Soft- und Hardware können die Ingenieure von Volvo auf einer realen Teststrecke nahezu unendlich viele Verkehrsszenarien simulieren und dabei ein echtes Auto benutzen – ohne sich entsprechenden Gefahren auszusetzen. Hierbei lassen sich wichtige Erkenntnisse über das wechselseitige Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine für die Entwicklung neuer Sicherheits-, Fahrerassistenz- und autonomer Fahrfunktionen gewinnen.

Die Tester können imaginären aktiven Sicherheits- und Fahrerassistenzfunktionen, kommenden Benutzeroberflächen für autonomes Fahren, zukünftigen Automodellen und vielen anderen Szenarien ausgesetzt werden. Der Simulator kann reale Teststrecken oder im Testlabor kreierte Strecken abbilden, jedes Szenario ist vollständig anpassbar. Die Möglichkeiten sind buchstäblich endlos.

Die Präsentation: Ein Raunen geht durch die Fachwelt

Der ultimative Simulator von Volvo Cars wurde am 18. November im Rahmen einer Veranstaltung vorgestellt, die live aus der „Open Innovation Arena“ von Volvo gestreamt und von einem Team der Innovationsexperten moderiert wurde.

Im letzten Jahr war Volvo Cars zusammen mit Varjo der erste Automobilhersteller, der es möglich machte, ein echtes Auto zu fahren, während der Fahrer ein Mixed-Reality-Headset trägt. Jetzt wurde diese Zusammenarbeit ausgeweitet und umfasst das Unternehmen Unity sowie den Hersteller des haptischen Ganzkörperanzugs „Teslasuit“. Laut Casper Wickman, Senior Leader of User Experience in der Open Innovation Arena von Volvo und einer der Gastgeber des Livestreams, ermöglicht dies Volvo Cars, authentische Reaktionen des Menschen in einer sicheren Umgebung zu untersuchen. Durch das neuartige Verfahren entsteht zudem nur ein kleiner Teil der sonst üblichen Kosten.

„Die Zusammenarbeit mit großartigen Unternehmen wie Varjo, Unity und Teslasuit hat es uns ermöglicht, viele Szenarien zu testen, die völlig real aussehen und sich auch so anfühlen, ohne dass wir etwas physisch bauen müssen“ so Casper Wickman. „Damit können wir echte Autos in Verkehrsszenarien testen, die auf Knopfdruck vielfältig angepasst werden können.“

Für die Entwicklung von Sicherheitssystemen für Fahrzeuge, wie z. B. kollisionsvermeidende Technologien, müssen entsprechende Tests durchgeführt werden. Doch das Testen dieser Systeme in der Realität kann gefährlich, zeitaufwändig und teuer sein. Simulationen aus Virtual- und Mixed-Reality sorgen dafür, dass Tests in authentischen Umgebungen sicher und effektiv durchgeführt werden können, ohne dass man dafür physische Prototypen bauen muss oder komplexe Szenarien eingerichtet werden müssen.

„Durch den Einsatz dieser Spitzentechnologie erforschen und leiten wir die Entwicklung für sichere Autos in der Zukunft. Es ist großartig, einen Teil dazu beizutragen“, so Wickman weiter.

Die vorgestellten Technologien im Detail

Unity-Simulations-Engines

Die Simulationsszenarien werden mit der neuesten Echtzeit-3D-Software von Unity erstellt, dem Unternehmen, das hinter einer der weltweit innovativsten Entwicklungsplattformen für die Entwicklung von Videospielen steht. Unity ermöglicht es den Volvo-Ingenieuren, virtuelle Umgebungen und Objekte für die Simulationen zu erstellen. Dies geht so weit, dass ein vollständiges 3D-Modell eines beliebigen Volvo-Autodesigns in eine beliebige virtuelle Umgebung eingefügt werden kann. Dieses Design lässt sich ganz nach Wunsch in unterschiedlichen Lichtverhältnissen, an verschiedenen Orten und bei verschiedenen Wetterbedingungen darstellen.

Varjo Mixed Reality Headset

Das sogenannte Mixed-Reality-Headset wurde von Volvo Cars zusammen mit dem Spezialisten Varjo entwickelt. Das Varjo XR-1 Developer Edition Headset, so die genaue Bezeichnung, nutzt Videokameras, um eine Mixed Reality zu ermöglichen, also eine Mischung aus echter und virtueller Realität – das Ganze in hochauflösender Qualität. Mit dem Varjo XR-1 Headset wird es möglich, die in Unity erstellten Objekte und Umgebungen in die reale Welt zu integrieren, und das völlig übergangslos.

Teslasuit

Durch den gezielten Einsatz von Kräften, Vibrationen und Bewegungen macht es die haptische Technologie des sogenannten Teslasuits möglich, das Erlebnis der Berührung bei der Interaktion mit der virtuellen Welt nachzubilden. Durch das Tragen des fortschrittlichen haptischen Ganzkörperanzugs namens Teslasuit können Volvos Simulationstester kleine Reproduktionen der Kräfte spüren, die man bei einem Unfall erleben würde, ohne dabei ein tatsächliches Risiko einzugehen. Der Anzug ermöglicht es den Ingenieuren von Volvo zudem, Reaktionen auf das Einwirken zu testen, indem sie untersuchen, wie Muskeln, Stresslevel und Herzfrequenz unter Stress reagieren. Dieses Wissen kann dann in die Entwicklung der nächsten Generation von Sicherheitssystemen einfließen, welche darauf abzielen, riskante Situationen zu vermeiden oder – sofern dies nicht möglich ist – zu entschärfen.

Fazit: Volvo macht seinem Ruf alle Ehre!

Ein beeindruckender Einblick also in echte Zukunftstechnologien, den Volvo im Rahmen seines Live-Events geboten hat. Das Verschmelzen von Technologien aus dem Gaming-Bereich und anderen Genres kennen wir bereits von verschiedenen Entwicklungen, im Automobilbereich war dies jedoch neu. Da Volvo seit jeher als „Pionier der Sicherheitstechnik“ gilt, ist es nicht verwunderlich, dass der schwedische Autobauer auch hier wieder in federführender Position zu finden ist. Im Sinne der Sicherheit aller Autofahrer sollten wir dies zu würdigen wissen.

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